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Warum HubSpot, Salesforce & Co. für die meisten Unternehmen zu viel — und gleichzeitig zu wenig sind

30. März 2025·8 min Lesezeit

HubSpot. Salesforce. Pipedrive. Zoho. Monday. Die Liste ist endlos. Jedes dieser Tools verspricht, dein Unternehmen besser zu organisieren. Die Wahrheit: Für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen sind sie gleichzeitig zu viel und zu wenig. Zu viel Komplexität für das, was man eigentlich braucht. Zu wenig Flexibilität für das, was man wirklich will.

Das 200-Features-Problem

Ein typisches Enterprise-CRM hat hunderte Features. Marketing-Automation, Sales-Pipeline, Ticketsystem, Content-Management, Social-Media-Scheduling, Analytics-Dashboards. Das klingt nach einem guten Deal — bis man realisiert, dass man davon vielleicht 15% tatsächlich nutzt.

Die restlichen 85% sind nicht harmlos. Sie machen die Oberfläche unübersichtlich, die Navigation langsam und die Einarbeitung zur Geduldsprobe. Jeder neue Mitarbeiter muss sich durch ein System kämpfen, das für Konzerne mit eigenen CRM-Administratoren designed wurde — nicht für ein 10-Personen-Unternehmen, das einfach seine Kunden im Blick behalten will.

Das Preis-Labyrinth

Die Preismodelle von Enterprise-CRMs sind bewusst verwirrend. Es gibt den Starter-Plan, den Professional-Plan, den Enterprise-Plan. Dazu Add-ons für Marketing, Service, Operations. Jeder Plan hat Limits bei Kontakten, E-Mails, Workflows oder API-Calls.

Was als „kostenlos" oder „ab 20€/Monat" beginnt, wird schnell teuer. Ein mittelständisches Unternehmen mit 10 Nutzern, das tatsächlich die Features braucht, die das CRM nützlich machen — automatisierte Workflows, benutzerdefinierte Reports, API-Zugriff — landet schnell bei 500–2.000€ pro Monat. Für ein Tool, das man zur Hälfte nicht versteht und zu einem Viertel nicht nutzt.

Konfiguration ist nicht Anpassung

CRM-Anbieter werben gerne mit „vollständig anpassbar". Was sie meinen: Du kannst Felder umbenennen, Dropdown-Optionen ändern und die Pipeline-Stages farblich markieren. Was sie nicht meinen: Du kannst den fundamentalen Ablauf ändern, wie das System funktioniert.

Aber genau da liegt das Problem. Jedes Unternehmen hat einen eigenen Vertriebsprozess. Eigene Regeln, wann ein Lead qualifiziert ist. Eigene Definitionen, was ein „Kunde" ist. Eigene Workflows, die sich nicht in vorgefertigte Automatisierungs-Templates pressen lassen.

Die Folge: Man biegt das CRM so lange zurecht, bis es halbwegs passt. Man baut Workarounds. Man nutzt Felder für Dinge, für die sie nicht gedacht waren. Und irgendwann hat man ein System, das niemand mehr versteht — aber von dem jetzt alles abhängt.

Der Daten-Silo bleibt

Das große Versprechen von CRMs ist: Alle Kundendaten an einem Ort. Die Realität: Das CRM wird ein weiterer Silo neben den anderen. Angebote werden trotzdem in Word erstellt. Rechnungen laufen über ein separates Buchhaltungstool. Projektdetails stecken in Asana oder Notion. Die Kommunikation passiert in Slack und E-Mail.

Das CRM hat die Kontaktdaten und die Pipeline. Alles andere lebt woanders. Das „zentrale System" ist in Wahrheit nur ein weiteres Fenster, zwischen dem man hin- und herspringt.

Das Onboarding-Problem

HubSpot bietet eine eigene Academy mit hunderten Kursen. Salesforce hat ein komplettes Zertifizierungsprogramm. Das allein sagt schon viel: Wenn man eine Ausbildung braucht, um ein Tool zu bedienen, ist es für die meisten Unternehmen zu komplex.

Die Realität in KMUs: Niemand hat Zeit für 40 Stunden CRM-Schulung. Mitarbeiter nutzen das System widerwillig und pflegen Daten halbherzig. Nach sechs Monaten ist das CRM eine halb gefüllte Datenbank, der niemand vertraut. Die alten Excel-Listen werden heimlich weitergeführt.

Das ist kein Versagen der Mitarbeiter. Es ist ein Designproblem. Das Tool wurde nicht für sie gebaut.

Was ein CRM eigentlich können muss

Wenn man ehrlich ist, brauchen die meisten Unternehmen von einem CRM genau diese Dinge:

1. Einen klaren Überblick über alle Kunden und Leads — wer ist wo im Prozess? 2. Eine Erinnerung, bei wem man sich melden muss — und wann 3. Eine History, was mit einem Kontakt bisher passiert ist — Anrufe, E-Mails, Notizen 4. Automatische Benachrichtigungen und Follow-ups, damit nichts durchrutscht 5. Reports, die zeigen, was funktioniert und was nicht

Das sind fünf Kernfunktionen. Kein Enterprise-Feature-Katalog. Fünf Dinge, die gut gemacht werden müssen.

Der Vorteil eines maßgeschneiderten Systems

Ein CRM, das für dein Unternehmen gebaut wird, hat nur die Features, die du brauchst. Keine versteckten Menüs, keine ungenutzten Module, keine Komplexität, die im Weg steht.

Der Vertriebsprozess bildet deinen echten Workflow ab — nicht einen generischen Funnel, den du erst anpassen musst. Die Felder heißen so, wie dein Team sie kennt. Die Automatisierungen tun genau das, was du willst, nicht das, was der günstigste Plan erlaubt.

Und weil das System über APIs mit deinen anderen Diensten verbunden ist, wird es tatsächlich zum zentralen Ort. Termine, Rechnungen, Dokumente, Kommunikation — alles fließt zusammen, ohne dass jemand Daten kopieren muss.

Aber ist das nicht viel teurer?

Kurzfristig: ja. Ein maßgeschneidertes System hat höhere Anfangskosten als ein HubSpot-Free-Account. Aber die ehrliche Rechnung sieht anders aus.

Ein HubSpot Professional mit 10 Nutzern, Marketing-Automation und Custom Reports kostet ca. 1.000–1.500€/Monat. In 24 Monaten sind das 24.000–36.000€ — für ein System, das trotzdem nicht exakt passt und das du jederzeit verlieren kannst, wenn du kündigst.

Ein maßgeschneidertes System ist eine Investition, die dir gehört. Keine monatlichen Lizenzgebühren pro Nutzer. Keine Preiserhöhungen. Keine Abhängigkeit von den Entscheidungen eines Produktteams in Boston, das dein Unternehmen nicht kennt.

Für wen lohnt sich der Wechsel?

Nicht für jeden. Wenn du gerade erst anfängst und drei Kunden hast, ist ein Notion-Board oder ein einfaches Pipedrive völlig ausreichend. Aber wenn du merkst, dass:

• du mehr Zeit mit dem CRM verbringst als mit deinen Kunden • du für Features zahlst, die du nie nutzen wirst, aber die brauchst, die du willst, kosten extra • dein Team das CRM umgeht, weil es zu kompliziert ist • du Daten zwischen CRM und drei anderen Tools hin und her kopierst • du das Gefühl hast, du arbeitest für das Tool statt umgekehrt

...dann ist es Zeit, über ein System nachzudenken, das für dich arbeitet. Nicht eines, an das du dich anpassen musst.

Danke für deine Zeit.

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